Rückblick auf Ohmden wie es früher war
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Altbürgermeister Walter KrönerAltbürgermeister Walter Kröner, Bürgermeister Manfred Merkle und Hans-Günther Haußmann präsentierten die Gemeinde, die einst Amindon (1125) hieß.

Im Zuge der Feierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen der “Liederlust Ohmden” präsentierten Altbürgermeister Kröner und sein Nachfolger Manfred Merkle mit Unterstützung von Hans-Günther Haußmann die Geschichte der Gemeinde in einem Bildervortrag.

“Ohmden, wie´s früher war” -  der Titel des Vortrages deutet bereits an, dass es um Vergangenheit und Erinnerung geht. Nach einleitenden Worten von Johann Steffl und Hans Herzinger erzählte  Walter Kröner die Geschichte Ohmdens hautnah, authentisch, humorvoll und mit einigen Schwänken. “Es ist nicht einfach, wenn man etwas über die alten Zeiten der Gemeinde sagen will”, bemerkte Kröner. So fragte er sich, was Ohmden vorzuweisen hat, denn: “Wir haben weder einen Physiker noch einen Nationaltorwart.”

Allerdings durfte der ehemalige Bürgermeister die Gemeinde mit gutem Gewissen für ihre Großherzigkeit loben. Aus der Chronik Ohmdens ist bekannt, dass nach einem heißen Sommertag im Jahr 1824 ein Unwetter mit Hagel aufzog. Straßen, Dächer und Felder waren weiß bedeckt wie im Winter und es schien, als wäre die ganze Ernte verloren. So schrieb der damalige Schultheiß (Bürgermeister) der Schneidermeister Christoph Friedrich Bauer an Herzogin Henriette in Kirchheim und an die Landesregierung, um diese um finanzielle Unterstützung zu bitten. Schließlich wurde auch Geld geschickt und es stellte sich die Frage, wer am meisten Unterstützung benötigte. Dazu waren alle Bauern des Orts im Rathaus erschienen und unterhielten sich sehr lebhaft. Die Stimme des Hofbauer übertönte alle anderen: "Wer den größten Schaden erlitten hat, der solle auch am meisten.... ". Er konnte diesen Satz nicht beenden, da trat der Schultheiß ein. Mit den Worten "Ihr seht, Bürger", sagte er, " dass es immer noch Leute im Schwabenland gibt, die für die Not der Nebenmenschen ein Herz haben". Es ist eine schöne Summe die wir verteilen dürfen, und ich frage nun: "Wer hat kein Korn mehr, um es in die Mühle zu führen". Niemand rührte sich. Da meinte der Schultheiß: "Ich glaube, dem Piependörfer mit seinen acht Kindern geht das Korn zuerst aus. Er hat am wenigsten eingeerntet, als das Gewitter niederging, und in teuren Zeiten lassen einen die Kinder etwas wissen. Ist das so?" "Ja, es ist so", antwortete der Gefragte. "Aber wenn ich ein Wort sagen dürfte, Herr Schultheiß. Ich habe gehört, dass im Unterland zu dem Hagelwetter noch eine Überschwemmung kam und die Leute noch viel elender dran sind als wir. Da möchte ich auf meinen Teil verzichten und bitten, ihn denen zu geben, die noch unglücklicher sind als wir". Die übrigen Bauern waren von den Worten des Piependörfers tief berührt. So beschloss damals die Gemeindeverwaltung gemeinsam mit den Bauern das Geld zurückzugeben, da es andere im Land dringender brauchten.

In der Bildshow wurden Fotografien und Zeichnungen in bunter Reihenfolge seit dem 19. Jahrhundert gezeigt. Das Publikum war außerdem eingeladen mitzurätseln, wer auf den Bildern abgebildet war, wo sie aufgenommen wurden und wie es dort heute aussieht. Auch auf den Namenswandel der Gemeinde wurde eingegangen. So wurde aus Amindon (1125) Aumnden (1328), Ompten (1525), Öhmbden (1772) und im Jahr 1800 schließlich Ohmden.

Ohmdener Schulhaus 1883Auf der Postkarte von 1850 konnte man das Schulhaus erkennen, auf einer anderen Aufnahme das Rathaus, das vor seinem Umbau noch ein Türmchen auf dem Dach stehen hatte. Auch hierzu wusste Kröner eine interessante Geschichte zu erzählen. Im Türmchen befand sich nämlich eine sogenannte Steuerglocke, die immer dann läutete, wenn die Bevölkerung mit dem Steuerbüchle ins Rathaus kommen konnte, um sich die Steuern eintragen zu lassen. Außerdem erfuhren die Zuhörer, dass sich um 1923 im unteren Stockwerk des Rathauses eine Strickerei befand und dort Familien wohnten. Das Amt befand sich immer nur im zweiten Stock.

Auch Aufnahmen vom ortsüblichen Handwerk waren zu sehen. Der Schreinermeister und Bienenzüchter Albert Hanne wurde in den Zwanzigerjahren vor einem gezimmerten Schlafzimmerschrank aufgenommen.

Typischer Ohmdener HafenknopfEine Hausfrau wurde beim Backen des typischen Ohmdener Hafenknopf gezeigt. Die Ohmdener haben ja bekanntlich den Spitznamen "d´Hafaknöpf". Zu früheren Zeiten bestand nämlich das Nationalessen der Ohmdener aus einem Hafenknopf mit Kraut.  Beim Hafenknopf handelt es sich um ein gesalzenes Hefegebäck, das in einem mit Schweineschmalz ausgestrichenen Hafenmodel gebacken wird.

Eine neuere Aufnahme zeigt Bauern im Farrenstall - in den man Kühe zum besamen brachte - bei ihrer Arbeit.
Weitere Bilder zeigten das Wohnhaus eines Ohmdener Sängers. Dort konnte man früher einen Telegrafen benutzen. Das kleine Armenhaus, das 1965 abgebrochen wurde, sowie das Back- und Waschhäusle, das heute auch nicht mehr steht, waren ebenfalls zu sehen.

1931 wurde Ohmden vom Hochwasser überschwemmt. Auf einem jüngeren Bild, das die Überschwemmung des Aubächles zeigt, steht ein Mann bis zum Bauch im Wasser. Kröner kommentierte die Impressionen ironisch: "Jetzt ist klar, warum die Ohmdener nie ins Kirchheimer Freibad gegangen sind."

Natürlich durften Fotografien von verschiedenen Festlichkeiten nicht fehlen. Man sah unter anderem die freiwillige Feuerwehr, die ihre eigens für sich entworfenen Uniformen hatten. Da ihre Kluft einmalig im Ländle gewesen sein musste, wurden die Feuerwehrmänner Kröner zufolge als "Ohmdener Fallschirmjäger" bezeichnet. Konfirmationsbilder aus den Fünfzigerjahren, Betriebesausflüge der Gemeindeverwaltung und Fotografien vom Kinderfest wurden gezeigt.

Interessant waren Bilder, die Eindrücke aus dem Baugewerbe zeigten. So konnte das Publikum sehen, wie die Pfarrscheuer, ein altes Fachwerkhaus, zum Kindergarten umgebaut wurde. Bei diesem Umbau fanden die Arbeiter auch eine Leiche ohne Kopf! Allerdings kümmerten sich die Kriminalbeamten nicht weiter darum, da die Tat zu diesem Zeitpunkt schon über dreißig Jahre zurück liegen musste.

Bei anderen Aufnahmen konnte man erfahren, wie in früheren Zeiten Straßen und Feldwege gebaut wurden. Für Feldwege wurden große Schiefersteine aufgestellt, die dann Stück für Stück "abgeköpft" beziehungsweise kaputt geschlagen wurden. In den Sechzigern halfen italienische Gastarbeiter beim Ausbau der Holzmadener Straße, für die Wackersteine und uralte Dampfwalzen verwendet wurden.

Kröner berichtete außerdem von einem alten Brauch, dem so genannten "Rädlesrecht". Dabei handelte es sich um ein Nachbarrecht. Es ging darum, dass es Bauern, deren Grundstücke nebeneinander lagen, erlaubt war, mit einem Rad im Acker des anderen zu fahren, wenn sie ihr eigenes Feld bestellten. Ein Recht, das zu Streitereien führen konnte, wie sich Kröner an seine Amtszeit erinnert.

Jugendchor der LLODer Bildervortrag wurde unterbrochen für einen Auftritt des Jugendchors unter der Leitung von Sandra Geißelhart. Die Mädchen sangen deutsche und englische Lieder, a cappella und mit Klavierbegleitung.

Den dritten Teil der Veranstaltung übernahm Bürgermeister Merkle, der die wichtigsten Veränderungen und Projekte aus den letzten zwanzig Jahren zusammenfasste und ebenfalls durch einen Bildervortrag

verdeutlichte. So wurde 1987 eine neue Aussegnungshalle gebaut und ein Gewerbe- sowie ein Neubaugebiet kamen hinzu. Das wohl umstrittenste, aber realisierte Projekt war wohl der Bau des Golfplatzes in der Gemeinde.

Im Gegensatz zu langweiligen Geschichtsstunden ähnelte dieser Nachmittag vielmehr einem Familientreffen, bei dem alte Fotoalben herausgepackt wurden und man vergessene Gesichter und alte Bekannte wieder erkannte. Eine Zuschauerin entdeckte erfreut auf einem Bild sogar ihren Vater. Außerdem erfuhr man so manches aus alten Zeiten, das heute schnell in Vergessenheit gerät, da man sich die damaligen Lebensverhältnisse nur schwer vorstellen kann.

Altbürgermeister Kröner, Bürgermeister Merkle und HG HaussmannFür alle Anwesenden in der überfüllten Ohmdener Gemeindehalle war es ein Nachmittag voller Erinnerungen. Johann Steffl erster Vorsitzender der "Liederlust Ohmden" dankte den "drei Machern" für ihre tolle Präsentation und versprach allen Interessierten, dass es in Zukunft diese Bildshow mit Bild und Ton um 10 Euro je CD käuflich zu erwerben gibt.

Bestellungen nimmt Andrea Haußmann, Tel. 07023/71961 entgegen oder unter Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können .