Ausflug ins Salzburger Land 3.-5. Oktober

Liederlust Ohmden gestaltete musikalisch die Messe im Salzburger Dom 

Verschneiter Jahresausflug ins Salzkammergut 

Renate Schattel 

Am Sonntag gestaltete die Liederlust Ohmden die Messe im Dom zu Salzburg musikalisch mit. Diesem Glanzpunkt aller Konzertereignisse des umtriebigen Gesangvereins waren viele arbeitsreiche Übungsstunden mit Chorleiter Bertram Schattel und ein reger Briefwechsel, den Vorstand Johann Steffl mit Domkapellmeister Professor Cifra führte, vorausgegangen. Die Arbeit hatte sich gelohnt, denn die Ohmdener trafen mit ihrem unter die Haut gehenden Chorauftritt ins Herz der aus aller Herren Länder versammelten Gläubigenschar im Dom. ImageVerbunden mit dieser Aufführung geistlicher Werke war der große Jahresausflug des Vereins mit einer ebenso informativen wie geselligen Busfahrt durch das Salzkammergut, die schönes Wetter vertragen hätte. Aber der Allerhöchste ließ sich vom guten Gesang im Dom offensichtlich nicht bestechen. Stattdessen kam von „oben" beständig Feuchtigkeit mit Regen, Nebel und unverhofften Schneeeinbrüchen, sodass sich das Salzkammergut mit der Mozartstadt in denkbar ungemütlichem Licht zeigte. Umso gemütlicher machte es sich die Chorgemeinde auf den langen Busfahrten mit Gesang, Spirituellem und, ausschließlich zur inneren Auferwärmung dosiert, mit Spirituosen. Die Liederlüstler zeichnen sich durch großes Durchhalte- und Stehvermögen aus und so absolvierte alle, vom achtjährigen Aaron, dem elfjährigen Ferdinand bis hin zu Hugo, dem fast 80-Jährigen, das Reiseprogramm unverdrossen. Und die mehr als fünfzig Reisenden machten sich denn wacker mit Linienbussen auf den Weg zur ersten Reisestation, dem Kehlsteinhaus über dem Berchtesgadener Land, einem Dokument der Imagenationalsozialistischen Architektur nahe Hitlers Feriendomizil Obersalzberg. Die gewaltige Wirkung der in nur 13 Monaten von Zwangsarbeitern in den Fels geschlagenen Kehlsteinstraße sprach eigentlich für sich, wurde aber abgelenkt von den ersten Schneeflocken, die leise auf die sich hoch schnaufenden Busse rieselten. In dem 1834 Meter über dem Meeresspiegel stehenden Ferienhaus, das Adolf Hitler von der NSDAP zum 50. Geburtstag geschenkt bekam, wurde es geradezu gespenstisch. Das Haus, das für heute umgerechnet 150 Millionen Euro gebaut wurde, war komplett in Nebel gehüllt und der angekündigte „überwältigende Blick über das Berchtesgadener Land" wurde ein Blinzeln gegen die Schneeflocken, mulmige Blicke in die Abgründe konnten unterbleiben. Kaum hatte sich die erschöpfte Sängerschar im Speisesaal des ehemaligen „Führers" niedergelassen und heiße Schokolade bestellt, ertönte ein Lautsprecher mit dem Aufruf, in kürzester Zeit zu den Bussen zu gehen, da sie wegen Schneefalls früher hinunter fahren müssten. Nun lassen sich die Urgesteine der Trink- und Wiesbachgemeinde im Schwäbischen Jura nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Sie traten den geordneten Rückzug an und strömten mit dem Aufzug über den durch einen 124 Meter ausgeschlagenen Tunnel hinab. Mit ihnen eilten sich allerdings noch jede Menge anderer Besucher, speziell aus den Niederlanden und Japan, sodass nicht alle Ohmdener in den Bussen Platz fanden. Die Zurückgebliebenen warteten frierend mit Hoffen und Bangen eine geschlagene Stunde auf die nächsten Liniebusse, diesmal mit Schneeketten bestückt. Dass alles ein gutes Ende nahm, war den Imagenervenstarken Linienbusfahrern zu verdanken, die im Zwei-Sekunden-Takt gegen den Matsch anbremsten und alle sicher in die Tiefe brachten. Beim nächsten Ausflug auf einen Berg, diesmal den Schafberg über St. Wolfgang am Wolfgangsee im Salzkammergut, streikte die sich jetzt wieder im Weilheimer Reisebus mit Fahrer Martin befindliche Ohmdener Gruppe und verzichtete auf die angekündigte Fahrt mit der erlebenswerten Zahnradbahn. Die Spitze des Berges hüllte sich in Nebel, 25 cm Neuschnee hätte es nachts geschneit, so früh im Jahr, wunderte sich der Zugführer. Stattdessen entschädigte eine Schifffahrt auf dem idyllischen Wolfgangsee die Sänger mit Blicken auf verschneite Berge, den See und das „Weiße Rössl". Auch Mozarts Geburtsstadt Salzburg zeigte sich von seiner „klammen" Seite und Regenschirme taten ihren Dienst. Allein der Charme der Stadt bestach auch ohne die wärmende Sonne ebenso wie der Charme von Veronika, der Stadtführerin. Sie erzählte launig aus der Geschichte der ehemals fürst-erzbischöflichen Stadt, deren weißes Gold schon lange nicht mehr das Salz, sondern die Touristen seien. Um diese anzuziehen, muss ihr berühmtester Bewohner Mozart herhalten. Er werde vermarktet, dass es nicht mehr schön sei, Mozartparfüm, Mozartwaschmittel, Mozartmehl. Die Japaner aber, so die Stadtführerin, hätten dem Fass den Boden ausgeschlagen. Sie erfanden den ImageMozart-BH. Wenn man(n) diesen öffne, ertöne die „Kleine Nachtmusik". Solchermaßen inspiriert, beschlossen die praktischen Sängerinnen der Liederlust, die Melodie in bestimmten Situationen schlicht zu singen. Gesungen wurde im Salzburger Dom allerdings von den Ohmdenern ausschließlich Geistliches. Hier entfaltete sich der Chorklang zu voller Größe, das Zusammenspiel mit Domorganist Professor Metzger klappte aus dem Stegreif harmonisch. Chorleiter Bertram Schattel und seine Mannschaft waren sich einig: „Es war ein erhebendes Gefühl, in einem so großen Raum zu singen und dem Klang nachzuspüren." Der Chor und die bestens vorgetragenen Lieder fanden großen Anklang bei den Zuhörern und der Geistlichkeit. Zufrieden machte sich die Truppe auf den Heimweg, nicht ohne neue Pläne zu schmieden.    

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