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Liederlust Ohmden gestaltete musikalisch die Messe im
Salzburger Dom
Verschneiter Jahresausflug
ins Salzkammergut
Renate Schattel
Am Sonntag gestaltete die
Liederlust Ohmden die Messe im Dom zu Salzburg musikalisch mit. Diesem
Glanzpunkt aller Konzertereignisse des umtriebigen Gesangvereins waren viele
arbeitsreiche Übungsstunden mit Chorleiter Bertram Schattel und ein reger
Briefwechsel, den Vorstand Johann Steffl mit Domkapellmeister Professor Cifra führte,
vorausgegangen. Die Arbeit hatte sich gelohnt, denn die Ohmdener trafen mit
ihrem unter die Haut gehenden Chorauftritt ins Herz der aus aller Herren Länder
versammelten Gläubigenschar im Dom. Verbunden mit dieser Aufführung geistlicher
Werke war der große Jahresausflug des Vereins mit einer ebenso informativen wie
geselligen Busfahrt durch das Salzkammergut, die schönes Wetter vertragen
hätte. Aber der Allerhöchste ließ sich vom guten Gesang im Dom offensichtlich
nicht bestechen. Stattdessen kam von „oben" beständig Feuchtigkeit mit Regen,
Nebel und unverhofften Schneeeinbrüchen, sodass sich das Salzkammergut mit der
Mozartstadt in denkbar ungemütlichem Licht zeigte. Umso gemütlicher machte es
sich die Chorgemeinde auf den langen Busfahrten mit Gesang, Spirituellem und, ausschließlich
zur inneren Auferwärmung dosiert, mit Spirituosen. Die Liederlüstler zeichnen
sich durch großes Durchhalte- und Stehvermögen aus und so absolvierte alle, vom
achtjährigen Aaron, dem elfjährigen Ferdinand bis hin zu Hugo, dem fast
80-Jährigen, das Reiseprogramm unverdrossen. Und die mehr als fünfzig Reisenden
machten sich denn wacker mit Linienbussen auf den Weg zur ersten Reisestation, dem Kehlsteinhaus über dem Berchtesgadener Land, einem Dokument der nationalsozialistischen Architektur nahe Hitlers Feriendomizil Obersalzberg.
Die gewaltige Wirkung der in nur 13 Monaten von Zwangsarbeitern in den Fels
geschlagenen Kehlsteinstraße sprach eigentlich für sich, wurde aber abgelenkt
von den ersten Schneeflocken, die leise auf die sich hoch schnaufenden Busse
rieselten. In dem 1834 Meter über dem Meeresspiegel stehenden Ferienhaus, das
Adolf Hitler von der NSDAP zum 50. Geburtstag geschenkt bekam, wurde es
geradezu gespenstisch. Das Haus, das für heute umgerechnet 150 Millionen Euro
gebaut wurde, war komplett in Nebel gehüllt und der angekündigte
„überwältigende Blick über das Berchtesgadener Land" wurde ein Blinzeln gegen
die Schneeflocken, mulmige Blicke in die Abgründe konnten unterbleiben. Kaum
hatte sich die erschöpfte Sängerschar im Speisesaal des ehemaligen „Führers"
niedergelassen und heiße Schokolade bestellt, ertönte ein Lautsprecher mit dem
Aufruf, in kürzester Zeit zu den Bussen zu gehen, da sie wegen Schneefalls
früher hinunter fahren müssten. Nun lassen sich die Urgesteine der Trink- und
Wiesbachgemeinde im Schwäbischen Jura nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Sie
traten den geordneten Rückzug an und strömten mit dem Aufzug über den durch
einen 124 Meter ausgeschlagenen Tunnel hinab. Mit ihnen eilten sich allerdings
noch jede Menge anderer Besucher, speziell aus den Niederlanden und Japan,
sodass nicht alle Ohmdener in den Bussen Platz fanden. Die Zurückgebliebenen
warteten frierend mit Hoffen und Bangen eine geschlagene Stunde auf die
nächsten Liniebusse, diesmal mit Schneeketten bestückt. Dass alles ein gutes
Ende nahm, war den nervenstarken Linienbusfahrern zu verdanken, die im
Zwei-Sekunden-Takt gegen den Matsch anbremsten und alle sicher in die Tiefe
brachten. Beim nächsten Ausflug auf einen Berg, diesmal den Schafberg über St.
Wolfgang am Wolfgangsee im Salzkammergut, streikte die sich jetzt wieder im Weilheimer
Reisebus mit Fahrer Martin befindliche Ohmdener Gruppe und verzichtete auf die
angekündigte Fahrt mit der erlebenswerten Zahnradbahn. Die Spitze des Berges
hüllte sich in Nebel, 25 cm Neuschnee hätte es nachts geschneit, so früh im
Jahr, wunderte sich der Zugführer. Stattdessen entschädigte eine Schifffahrt
auf dem idyllischen Wolfgangsee die Sänger mit Blicken auf verschneite Berge,
den See und das „Weiße Rössl". Auch Mozarts Geburtsstadt Salzburg zeigte sich
von seiner „klammen" Seite und Regenschirme taten ihren Dienst. Allein der
Charme der Stadt bestach auch ohne die wärmende Sonne ebenso wie der Charme von
Veronika, der Stadtführerin. Sie erzählte launig aus der Geschichte der ehemals
fürst-erzbischöflichen Stadt, deren weißes Gold schon lange nicht mehr das
Salz, sondern die Touristen seien. Um diese anzuziehen, muss ihr berühmtester
Bewohner Mozart herhalten. Er werde vermarktet, dass es nicht mehr schön sei,
Mozartparfüm, Mozartwaschmittel, Mozartmehl. Die Japaner aber, so die
Stadtführerin, hätten dem Fass den Boden ausgeschlagen. Sie erfanden den
Mozart-BH. Wenn man(n) diesen öffne, ertöne die „Kleine Nachtmusik". Solchermaßen
inspiriert, beschlossen die praktischen Sängerinnen der Liederlust, die Melodie
in bestimmten Situationen schlicht zu singen. Gesungen wurde im Salzburger Dom
allerdings von den Ohmdenern ausschließlich Geistliches. Hier entfaltete sich
der Chorklang zu voller Größe, das Zusammenspiel mit Domorganist Professor
Metzger klappte aus dem Stegreif harmonisch. Chorleiter Bertram Schattel und
seine Mannschaft waren sich einig: „Es war ein erhebendes Gefühl, in einem so
großen Raum zu singen und dem Klang nachzuspüren." Der Chor und die bestens
vorgetragenen Lieder fanden großen Anklang bei den Zuhörern und der
Geistlichkeit. Zufrieden machte sich die Truppe auf den Heimweg, nicht ohne
neue Pläne zu schmieden.
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